Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

 

Auf Kurs gebracht

Ein Logbuch zeichnet auf, archiviert und strukturiert – und genau das gelingt Roland Kaehlbrandt in seinem Logbuch Deutsch. Wie wir sprechen, wie wir schreiben. In zehn Kapiteln beschreibt er die Sprachgeschichte des Deutschen, die gegenwärtigen Gebrauchsmuster und seine Rolle im aktuellen europäischen Kontext.

Bereits in der Einleitung verdeutlicht er seinen Standpunkt: Er hält wenig von „unermüdlichen Gerechtigkeitssemantikern“. Seiner Meinung nach schaffen Binnen-I und übertriebene Gender-Neutralität eher eine Kunstsprache. Unsere „Hallogesellschaft“, das heißt ein zu lockerer Umgang mit der deutschen Sprache, gefällt ihm ebenso wenig. Außerdem sieht er Gefahren in zu starkem Einfluss von Englisch auf die deutsche Wissenschaftssprache sowie in schlechten Rechtschreibkenntnissen an Schulen und Universitäten. Aus unserem aktuellen „sprachlichen Dämmerzustand“ möchte Kaehlbrandt uns reißen und eine aktive Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache anstoßen, die er in Politik und Gesellschaft vermisst. Denn er empfindet Deutsch als eine wunderbare, elastische und weitverbreitete Sprache mit einem großen Wortschatz durch geschmeidige Wortbildungen, sehr präzisen Ausdrucksmöglichkeiten, flexiblem Satzbau und vielen Abtönungspartikeln – wenn sie denn wertgeschätzt und mit all ihren Möglichkeiten genutzt wird.

Mehr Sprache(n) – mehr Vielfalt

Dennoch ist sein Buch kein wütendes Anprangern und Resignieren vor der aktuellen Entwicklung: Unterhaltsam und mit vielen Beispielen versehen, belegt Kaehlbrandt seine Kritiken; ebenso zeigt er aber Vorschläge und positive Entwicklungsmöglichkeiten auf. Er wünscht sich Deutsch als dritte Sprache in der EU, mehr Deutschstunden in der Schule sowie einen verstärkten Austausch in Europa, damit viele mehrsprachige Menschen die Besonderheiten der Einzelsprachen schätzen lernen. Denn unabhängig vom Deutschen ist Kaehlbrandt sprachbegeistert und preist die Schönheiten einer Auseinandersetzung mit Sprachen für unsere kulturelle Bildung an.

Das Logbuch Deutsch ist eine informative, nachdenklich stimmende und eingängige Lektüre.

Verlagsinformation über den Autor: Roland Kaehlbrandt brachte Projekte wie das Grundschulprogramm „Deutsch & PC“, den „DeutschSommer“, den Diktatwettbewerb „Frankfurt schreibt!“ und den Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ mit auf den Weg.

Roland Kaehlbrandt: Logbuch Deutsch. Wie wir sprechen, wie wir schreiben, Klostermann RoteReihe 79, 2016, ISBN: 978-3-465-04255-6, 14,80 Euro, E-Book 12,99 Euro, ISBN: 978-3-465-24255-0

Erhältlich als Buch und E-Book im Buchhandel, online zum Beispiel bei buch7.de oder direkt beim Verlag.

Maike Fries’ Website und Profil im Lektorenverzeichnis

Am 24. Mai 2017 ist Roland Kaehlbrandt in der Frankfurter „Romanfabrik" zu Gast. Weitere Informationen und Anmeldung