Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

 

Schweres Buch, leichte Kost

Gewichtig kommt er daher, der Ratgeber aus dem Hause Duden: über ein Kilogramm geballtes Duden-Know-how. Und das deutet schon an, dass es sich trotz des Titels Einfach gute Texte schreiben nicht um eine klassische Schreiblehre handelt. Vielmehr hat die Dudenredaktion nicht nur stilistische, sondern auch andere sprachliche Aspekte abgehandelt. Der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt acht Teile: Stilsicher schreiben, Die Rechtschreibung, Stolpersteine der Rechtschreibung, Die Zeichensetzung, Die Grammatik, Stolpersteine der Grammatik, Formen und DIN-Normen im Schriftverkehr, Sprachtipps.

Im Teil Stilsicher schreiben wird zunächst die Schreibsituation mit Blick auf Zielsetzung, Zielgruppe und Stilebene thematisiert, bevor es um Wortwahl (Wortsinn, Wirkung, Eignung) und Satzbau (Wortkomposition, Satzkomposition) geht. Empfehlungen werden an objektiven Kriterien ausgerichtet. In die Abschnitte eingestreut sind zahlreiche Übungsaufgaben mit einem Lösungsteil am Ende.

Der Teil Die Rechtschreibung befasst sich einleitend mit Grundlagen, anschließend werden Laut-Buchstaben-Zuordnungen, Getrennt- und Zusammenschreibung, Schreibung mit Bindestrich, Groß- und Kleinschreibung und Worttrennung am Zeilenende behandelt. Im folgenden Teil liegen ausgewählte Stolpersteine der Rechtschreibung an wie die Schreibung von Fremdwörtern und heimischen Wörtern, gleich und ähnlich klingende Wörter sowie der Gebrauch von Apostroph, Binde- und Ergänzungsstrich.

Der Teil Zeichensetzung besteht aus den Abschnitten Satzmittezeichen (Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Gedankenstrich), Satzschlusszeichen (Punkt, Auslassungspunkte, Ausrufezeichen, Fragezeichen), paarige Satzzeichen (Klammern, Anführungszeichen) und Wortzeichen (Apostroph, Ergänzungsstrich, Schrägstrich). Über die geregelten Satzzeichen hinaus werden auch Zeichenkombinationen wie eingeklammertes Ausrufezeichen bzw. Fragezeichen und die Verbindung von Ausrufe- und Fragezeichen erwähnt.

Auch der Teil Grammatik folgt einem klassischen Aufbau: Nach den Grundlagen werden die Wörter (Form, Aufbau, Wortbildung), die Wortarten (von Verben bis Interjektionen) sowie die Sätze (einfache Sätze, zusammengesetzte Sätze) abgehandelt. Ferner sind Deklinations- und Konjugationstabellen enthalten. In dem umfangreichen Teil Stolpersteine der Grammatik geht es dann um die üblichen Verdächtigen: Konjunktiv, Imperativ, Steigerung der Adjektive und Partizipien, Fremdwörter, Maß-, Mengen- und Münzbezeichnungen, Fugen-s, Artikel und Pronomen, Präpositionen, Datum, Kongruenz.

Der Teil Formen und DIN-Normen im Schriftverkehr enthält die relevanten inhaltlichen, sprachlichen und typografischen Aspekte, die in Form von Stichwörtern von A wie Abkürzungen bis Z wie Zeilenabstand aufgelistet sind.

Auch die abschließenden Sprachtipps folgen einem lexikalischen Aufbau. Die Lemmata sind alphabetisch angeordnet und bestehen sowohl aus einzelnen Wörtern und Fügungen als auch aus Kategorien – ein Extrakt aus dem „grünen“ Duden (Band 9: Richtiges und gutes Deutsch). Aufgenommen sind gängige Zweifelsfälle, besonders zu Wortbedeutung/Wortwahl, Groß- oder Kleinschreibung, Deklination von Fremdwörtern und nach Appositionen, Anschluss von und Beugung nach Präpositionen sowie Kommasetzung.

Autoren des Schreibhelfers sind Antje Kelle, Christian Stang, Ursula Hoberg, Rudolf Hoberg und Julian von Heyl, allerdings erfolgt keine namentliche Zuordnung zu den einzelnen Teilen. Dass hier verschiedene Autoren am Werk waren, hat – neben den sachimmanenten Gründen – eine unterschiedliche Ausgestaltung der Themen gezeitigt. So stehen die einzelnen Teile unverbunden nebeneinander, inhaltliche und sprachliche Abstimmungen und Klammern fehlen. Fünf Beispiele: 1. Einige Teile weisen eine Einführung in Form von Grundlagen auf, andere nicht; es wäre ein Leichtes gewesen, diese durchgehend vorzusehen. 2. Vergleichbares gilt für Übungsaufgaben. 3. Die Marginalienspalte wird, soweit vorhanden, sehr unterschiedlich genutzt. 4. Im Grammatikteil werden die Fachausdrücke verwendet, in den Sprachtipps durchgehend die deutschen Entsprechungen bzw. Umschreibungen. Hier hätte sich – neben einer einheitlichen Begrifflichkeit – ein Glossar im Anhang gut gemacht. 5. Die Fettauszeichnungen sind uneinheitlich, mal dienen sie als Blickfänger für inhaltliche Stichwörter, mal zur Hervorhebung von Einzelwörtern, mal der Betonung von Satzteilen. Eine kleine, aber bezeichnende Inkongruenz am Rande: Die Schrägstriche sind mit (normalen) Leerzeichen gesetzt, im Teil für den Schriftverkehr wird explizit gesagt, dass Schrägstriche ohne Leerzeichen stehen – auch die Beispiele drei Zeilen darunter enthalten sie.

Neben einem Glossar vermisst man auch ein Vorwort. So kann man zwar am Untertitel die (recht allgemeinen) Zielgruppen erahnen, nämlich Schülerinnen/Schüler, Studierende und Berufstätige, doch fehlen Hinweise für die gedachte Nutzung des Ratgebers: Soll er von vorn bis hinten gelesen bzw. durchgearbeitet werden? Kann er auszugsweise als Lehr- und Übungsbuch dienen? Ist er als Nachschlagewerk gedacht? Oder all das? Eine klare Linie ist bei diesem Buch indes nicht erkennbar.

Sicher, die Sprachtipps taugen gut zum Nachschlagen; doch die anderen Teile eignen sich dazu leider nur bedingt. Hier hätte man sich ein umfangreicheres Sachregister als das vorhandene gewünscht, es sind fast ausschließlich die Fachausdrücke verzeichnet, weder die deutschen Pendants noch Einzelwörter wie etwa Pronomen oder Präpositionen.

Auch die Überschriften sind zum schnellen Auffinden nicht durchweg hilfreich. Zum einen erschwert das Layout die Orientierung: Die Überschriften zwei bis vier sind zwar typografisch stringent, doch optisch kaum voneinander zu unterscheiden (zumal sie nicht benummert sind). Zum anderen sind in das Inhaltsverzeichnis (nachvollziehbarerweise) nur die Überschriften bis zur dritten Ebene aufgenommen, der doppelte Kolumnentitel (Ü1 und Ü2) kann das nicht kompensieren. Zudem fehlen manche Überschriften bzw. sind falsch ausgezeichnet, was zu mehreren Inkonsistenzen von Text, Kolumnentitel und Inhaltsverzeichnis führt.

Ein oder zwei Handvoll übersehene Fehler (mal eine verrutsche Zeile in einer Tabelle, mal ein doppeltes Leerzeichen, mal ein Kommafehler, mal eine fehlende Auszeichnung) sind angesichts des Werkumfangs und des diffizilen Satzes durchaus tolerabel.

Die konzeptionellen und redaktionellen Schwächen sind nicht zuletzt deshalb so befremdlich, weil die Autoren sich durchweg bemüht haben. Sie haben die Schreibpraxis im Blick gehabt, die Inhalte gut strukturiert, verständlich geschrieben, zahlreiche Beispiele und hilfreiche Abbildungen eingebunden und eine bildhafte Sprache mit durchdachten und durchgängigen Metaphern gewählt. Das Letzte gilt nicht nur für den Stilistikteil, sondern etwa auch für die Grundlagen des Grammatikteils. Dank dessen präsentiert sich dieses schwere Buch als leichte und bekömmliche Kost mit recht gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Es ist sozusagen ein komplettes Menü, das aber des besseren Abschmeckens bedarf. Für die nächste, dritte Auflage bleibt zu wünschen, dass die Fehler getilgt und vor allem die Benutzerfreundlichkeit als Nachschlagewerk verbessert werden.

Joachim Fries

Duden-Redaktion: Einfach gute Texte schreiben: Für Schule, Studium und Beruf. (Duden Ratgeber) 2. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut/Dudenverlag, 2016. 608 Seiten, Broschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-411-70109-4 (E-Book: ISBN 978-3-411-91162-2)

Erhältlich als Buch und E-Book im Buchhandel, online zum Beispiel bei buch7.de oder direkt beim Verlag.

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