Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

 

VFLL: Sprachkultur kann man ohne Grundgesetzänderung fördern

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Zur Petition „Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz“ teilt der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) mit:

Es mag gut gemeint sein, wenn es in der Begründung der Petition heißt: „Diese Anerkennung [der deutschen Sprache] kommt vor allem auch jenen Gesellschaftsgruppen zugute, die einen besonderen Bezug zur deutschen Sprache haben, zum Beispiel Schriftstellern, Journalisten und Lehrern.“ Als Lektorinnen und Lektoren weisen wir indessen darauf hin, dass es aus unserer Sicht unangemessen bevormundend wirkt, wenn die Petenten hinzufügen, die Verankerung „würde von diesen Gruppen einfordern, ein Stück weit Verantwortung für die Weiterentwicklung des Kulturguts Sprache zu übernehmen“.

Wir stellen fest, dass wir uns bereits jetzt – und seit jeher – unserer Verantwortung für das Kulturgut Sprache bewusst sind. Dazu bedarf es keiner Verfassungsänderung. Da im Übrigen das Deutsche aufgrund gesetzlicher Regelungen bereits Amtssprache in der Bundesrepublik ist, bleibt unklar, was genau die Petenten erreichen wollen. Ebenso fraglich ist bislang, wie sich eine undifferenzierte Festschreibung mit dem lapidaren Wortlaut „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ auf den Status der Minderheitensprachen auswirken würde, die – wie das Friesische und Sorbische – in ihrem Bestand bedroht sind.

Wir halten eine Förderung der deutschen Sprache unabhängig von einer Festschreibung im Grundgesetz für sinnvoll. Worin aber sollte diese Förderung bestehen? Einige Vorschläge:

  • das Buch samt den Rechten der Büchermacher (zum Beispiel angemessene Honorierung für geistige Arbeit) stärken, ebenso vergleichbare Tätigkeiten für die Neuen Medien
  • den Deutschunterricht (für Muttersprachler ebenso wie für Einwanderer) sowie die sprachliche Qualität der Schulbücher generell sichern und weiterentwickeln
  • Kultur allgemein, so auch das literarische Leben, nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als Staatsziel begreifen – dazu gehört selbstverständlich auch der Austausch mit nicht deutschsprachiger Literatur und Kultur
  • Deutsch als Wissenschaftssprache fördern, beispielsweise durch Preise und Stipendien, ohne den internationalen wissenschaftlichen Austausch zu behindern

Informationen zur Petition: www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/36382677_kw45_pa_petitionen/

 

dml



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