Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

 

Gendern

Alle Geschlechter sollen sich gleichermaßen einbezogen und angesprochen fühlen. In diesem Punkt besteht Konsens. Unterschiedliche Auffassungen gibt es zum Wie.

Ein grundlegender Streitpunkt liegt darin, was die männliche Form leisten kann. Schließt die männliche Form als sogenanntes „generisches“ Maskulinum die anderen Geschlechter neben den Männern ein oder nicht? Dabei geht es nicht um die Absicht der Autor*in, entscheidend ist einzig die Wirkung des sprachlichen Ausdrucks.

Weitere Diskussionspunkte betreffen die Formen des Genderns. Was entspricht den Regeln? Was ist vielleicht nicht ganz regelkonform, aber trotzdem gut vertretbar? Wann, wie weit und warum darf bzw. sollte von Rechtschreib- und Grammatikregeln abgewichen werden zugunsten einer alle einschließenden Sprache?

Unter uns Lektor*innen gibt es dazu keine einstimmige Meinung.

Ich persönlich halte das Gendern von Texten für wichtig und notwendig. Rechtschreib- und Grammatikregeln sind m. E. wichtige Hilfsmittel, keine heiligen Kühe.

Warum gendern? Die Vorteile

Etwas zugespitzt lassen sich die Vorteile des Genderns wie folgt skizzieren: Gendern macht es möglich, dass sich die Realität in der Sprache wiederfindet, dass also Frauen und trans Menschen sichtbar sind. Damit setzt sinnvolles Gendern voraus, die realen Verhältnisse zu kennen/zu erfragen; ein Fehlen oder eine Unter- bzw. Überrepräsentanz eines Geschlechts würde sich folglich sprachlich niederschlagen müssen. Zweitens kann die sprachliche Sichtbarmachung der realen Gegebenheiten zu einer schnelleren faktischen Gleichstellung aller Geschlechter beitragen.

Statt des Worts Gendern wird deshalb auch der Begriff geschlechtergerechte Sprache verwendet.

Ihr Anliegen als Kunde bzw. Kundin – eine passende Lösung

Die öffentliche Diskussion um das Gendern ist teils emotional sehr aufgeladen. Lassen Sie sich davon nicht irritieren. – Sie brauchen eine passende Lösung für Ihren ganz konkreten Text und Ihre Zielgruppe.

Sprechen Sie deshalb mit Ihrer Lektor*in. Lassen Sie sich beraten, welcher Grad und welche Form(en) des Genderns zu Ihrer Textsorte und zu Ihrem Anliegen passen. Und holen Sie sich gern eine Zweit- oder auch Drittmeinung ein. Das ist völlig legitim. Unterschiedliche Auffassungen gibt es bei uns wie in allen Berufen.

Meine Kolleginnen und Kollegen verstehen ihr Handwerk.

 

Angelika Pohl, www.Lektorat-Zugang.de

Profil im VFLL-Verzeichnis